Die Jagd hat begonnen
Mallorca ächzt unter einer beispiellosen Welle von Preiserhöhungen, so wie ganz Spanien auch. Aber, dies ist kein isoliert zu betrachtendes spanisches Problem, die Ursachen sind im wesentlichen ganz woanders zu suchen.
Die angeblich so soziale Politik, in Brüssel und den wichtigsten weil federführenden europäischen Haupstädten, allen voran ist da Berlin zu nennen, diese Politik hat in den letzten Jahren geradezu jämmerlich versagt.
Wenn jetzt auch die grösste Zeitung Deutschlands, die Bildzeitung, dieses Thema aufgreift, und zwar mit einer beispiellosen Titelseiten-Kampagne, mit scharfen Worten Richtung deutsche Politik, dann ist, wie man es so schön treffend auszudrücken pflegt, mächtig Feuer unterm Dach.
Brutale Teuerungswelle, Inflationsalarm, die knallharte und einprägsame Terminologie des Volksblattes richtet sich schonungslos gegen die Deutsche Bundesregierung, und das ist durchaus hochinterresant.
Denn vor allem die Postille Nummer eins aus dem Hause Springer hat in den letzten Monaten Bundeskanzlerin Merkel in einer beispiellosen Public Relations-Kampagne zu Seite gestanden, Weichspüler-Kampagne wäre wahrscheinlich die treffendere Bezeichnung für diese Art von Öffentlichkeitsarbeit, sicherlich angeschoben von hochbezahlten Beratern der Bundesregierung.
Doch, Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihr Kabinett werden nun öffentlich als Preistreiber bezeichnet, natürlich zu Recht, die dicken Lettern werden sich in den Hinterköpfen vieler Millionen Menschen ganz schnell festsetzen.
Dazu gehört allerdings auch nicht viel, denn den Deutschen ist der wahre Sachverhalt nicht erst seit heute bekannt, der Blick in ihre Geldbeutel offenbarte schon seit langem die bittere Wahrheit.
Die gebetsmühlenartigen Sprüche von einem Aufschwung, welche die wahren Zustände zu kaschieren schienen, nicht erst seit der Regierungszeit von Gerhard Schröder kennt man das Lied vom alljährlichen Aufschwung.
Ein Aufschwung, der für wenige Globalisierungs- und EU-Erweiterungsgewinner galt, ebenso für die bestens bezahlten und noch dazu in Sachen Sozialleistungen und Sozialversicherung excellent abgesicherten Damen und Herren Politiker. Da lässt es sich natürlich unbeschwert leben.
Der weit überwiegende Teil der Menschen in Deutschland aber, er sieht sich auf der Verliererseite. Lange hat es gedauert, bis endlich ein Massenmedium Klartext spricht. Die Bundesregierung, Angela Merkel und ihre Ministerkollegen, ihnen wird nun bewusst, dass gute Kontakte zu Deutschlands Meinungsmachern Nummer eins spätestens dann ein Ende haben, wenn es ans Eingemachte geht.
Meinungsbildung ist das eine, wer könnte dies besser als Deutschlands Volkszeitung mit den vier grossen Buchstaben. Über einen langen Zeitraum von zwei Jahre bewies man in den Konzernzentralen in Berlin, Hamburg und München den Schulterschluss mit der Kanzlerin, wen wunderts, denn man hatte im Grunde das gleiche Ziel vor Augen.
Die Springergruppe, ein Milliardenunternehmen mit globalen Ambitionen, dieses Unternehmen dürfte sich zu Recht als eindeutiger Gewinner der Globalisierungspolitik sehen. Jedoch eines weiss man im Hause Springer nur zu genau, die wichtigste Säule des Unternehmens ist und bleibt nunmal ihr Massenblatt im roten Outfit.
Die Bildzeitung kann es sich auf Dauer nicht leisten, die Stimme des Volkes zu überhören. Politischer Schulterschluss ist das Eine, die eigenen möglichst gesunden Bilanzen das Andere. Das Gespür dafür, wenn irgend etwas rumort, wenn etwas hochkocht, eine der treffsicheren Spezialitäten der Kolleginnen und Kollegen dieser auflagenstarken.
Man ist nicht nur in Deutschland der Grösste, sondern auch in Europa. Das meistzitierte Blatt in Deutschland, noch dazu, und weltweit auf Platz fünf oder sechs. Dieses mächtige Blatt hat nun endlich zum längst überfälligen Halali geblasen.
Die Jagd auf die grössten politischen Versager der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte, und dies sieht nicht nur ein Kolumnist aus Mallorca so, diese Jagd, sie dürfte nun endlich begonnen haben.
Mein erster Gruss geht heute folgerichtiger Weise direkt in die Redaktionsräume der Bildzeitung. Es wurde langsam Zeit, dass auch ihr etwas unternehmt. Da können eintausend Marlons Kolumnen schreiben, was wiegt das gegen eine einzige fette Titelschlagzeile aus eurem Haus.
Es scheint, als musstet ihr euch auch erst einmal wieder auf ein altes Sprichwort besinnen, besser, auf zwei. Das eine, das da lautet, Schuster, bleib bei Deinen Leisten. Das Andere, nicht weniger wichtige, dies besagt, Lieber den Spatz in der Hand, als nur die Taube auf dem Dach.
An diesen überlieferten Worten ist mehr als nur ein Fünkchen Wahrheit dran. Deutschland ist euer Absatzmarkt Nummer eins, und deshalb solltet ihr in Zukunft wieder etwas mehr euer Ohr an des Volkes Seele haben, und nicht so sehr bei einer orientierungslosen, globalen Politik.
Wie immer auch Grüße an alle anderen hier auf meiner Insel, einer Insel, die unter der immer dramatischer werdenden Immobilienkrise leidet.
Herzliche Grüße von der Insel Mallorca
Ihr Marlon
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