Koalitionsfrage

Marlon über den Baustopp auf MallorcaEs gibt wieder Hoffnung für unsere Insel Mallorca. Die jüngsten Entscheidungen der Balearenregierung in Palma stimmen frohgemut, und sie zeigen, dass es Francecs Antich bei der Umsetzung seiner Wahlkampfversprechen anscheinend zum allerersten Mal wirklich ernst meint.

Das grundlegende Bauverbot an zahlreichen Küstenabschnitten Mallorcas, sowie anderen wertvollen Lagen, es ist für viele bei uns der lang ersehnte Fingerzeig.

Es darf und kann nicht sein, dass sich einige wenige an den leider nur noch in geringem Masse vorhandenen natürlichen Ressourcen unserer schönen Insel bereichern. Zu Lasten der Natur, zu Lasten aller Anderen, die hier auf Mallorca leben, und, vor allem auch zu Lasten der künftigen Generationen.

Wer Mallorca offenen Auges betrachtet, der sieht tausende von Bausünden der Vergangenheit, genauso wie ebensoviele vorhandene Bauten, deren erbärmlicher Zustand alles andere als Werbung für uns und unsere Baukultur ist.

Klar dürfte sein, Francesc Antich wird sich mit seiner Entscheidung, die er, damit sie auch wirklich Hand und Fuss hat, sprich umgesetzt werden kann, nun ganz schnell in ein entsprechendes Gesetz einbringen muss, nicht nur Freunde gemacht haben. Jede Menge Theaterdonner vor und im Hintergund aller politischen Kulissen prägen das Bild dieser Tage.

Dieses Gesetz einbringen, dies wird er sicher tun, er wird in Kürze darüber im Parlament abstimmen lassen. Ich sage heute zunächst einmal vorsichtig dazu, hoffentlich wird dies so sein. Denn sein Vorhaben gibt Ärger, und zwar jede Menge, noch dazu könnte diese neue und bedeutende politische Weichenstellung für den balearischen Steuerzahler recht teuer werden.

Soweit ich Francecs Antich kenne und einschätze, sieht er seine politische Glaubwürdigkeit nun erstmals auch selbst in einer drastischen Weise gefährdet. Und deshalb hat er diesen gewaltigen Schritt nach vorne gewagt.

Dass seine einschneidenden Baustopp-Pläne aus seinem Umfeld viel zu früh nach aussen gesickert sind, betrachtet der Kolumnist auf Mallorca dabei eher als Schönheitsfehler. So war es nicht der ursprünglich einmal geplante Coup, und die, die es betrifft konnten sich bereits seit längerem juristisch mit der Angelegenheit auseinandersetzen, aber es ändert nichts an der Tatsache an sich.

Ich bin, obwohl nun wieder etwas optimistischer, was Mallorca angeht, trotzdem immer noch gespannt darauf, mit welchen Mitteln Francecs Antich den schwierigen Spagat in seiner Koalition hinbekommen will, wenn es denn dann bald ans Eingemachte, besser gesagt zur Abstimmung, geht.

Die gegensätzlichen Interessen seiner Kolationspartner, auf der einen Seite der linke Bloc, diesem gegenüber die nicht nur in dieser Frage nahezu entgegengesetzt argumentierende Unió Mallorquina, diese Gegensätze haben die Einlösung eines der elementarsten Wahlkampfversprechen der Sozialisten um Francecs Antich um ein sattes halbes Jahr verzögert.

Diese Baustopp-Entscheidung hätte direkt nach der Wahl kommen müssen, gemeinsam mit dem des Krankenhaus in Son Espases. Aus dem Letzteren wurde ja leider nichts, das Krankenhaus wird doch gebaut, wie wir alle wissen.

Dass es nun doch noch zu einem Baustopp gekommen ist, darf der Beobachter getrost als das Ergebnis knallharter Verhandlungen sehen. Richtigerweise, weil wahrscheinlich gerade noch im allerletzten Moment, wird wohl die Ministerpräsidentenfaust auf die Verhandlungstafel niedergegangen sein. Dem Erhalt der Koalition zuliebe.

Mich persönlich wunderte es bereits seit vielen Wochen, wieso sich Francecs Antich von seiner Koalitionsrunde öffentlich politisch demontieren liess. Er wird seine Mitstreiter aufgeschreckt haben, gerade und auch die Unió Mallorquina, deren bequeme Position als mächtiges Zünglein an der Waage seit vielen Jahren erstmals gefährdet scheint.

Francecs Antich hatte zum jetzigen Zeitpunkt nur noch zwei Möglichkeiten, und diese wird er seinen Partnern in letzter Minute anschaulich vermittelt haben. Entweder er macht jetzt Nägel mit Köpfen, und setzt damit sein ursprünglich angedachtes politisches Konzept in die Tat um, wenn auch mit Verspätung, oder er dankt ab. Und wer der Verlierer ist, wenn die Sozialisten den Regierungsbüttel hinwerfen, werden sich seine Partner leicht selbst ausrechnen können.

Meine heutigen Grüsse gehen seit langem wieder einmal an den Ministerpräsidenten Francecs Antich. Genau so muss der politische Chef operieren. Dass Du damit polarisierst, das bringt nicht nur endlich wieder mehr Profil in Deine Politik, sondern vor allem auch in das Ansehen Deiner Person. Nun ziehe bitte das Ganze auch durch, auch wenn es gewiss nicht leicht sein wird, anzukommen gegen massive Widerstände des Inselfilz. Unserer Insel Mallorca wird es in jedem Fall gut tun.

Meine Grüsse nach Deutschland, sie gehen an den ehemaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder. Der kleine Mann, der einmal ganz gross sein durfte, wenn denn dann auch sein Abgang in der Stunde seiner Wahlniederlage äusserst peinlich gewesen ist.

Gerhard Schröders Verbindung zu Russland, zur milliardenschweren russischen Grossindustrie dürfte ihm nicht zum Nachteil gereicht haben. Im Gegenteil, wie dies nunmal beim Lobbyismus so ist.

Nun hat jedoch sein Freund Putin die eiskalte Maske endgültig fallen lassen. Russland als Demokratie, dies war ohnehin nicht zu glauben. Ab heute heisst die Losung, es lebe die neue, alte russische Diktatur mit einem Oligarchen namens Wladimir Putin. Oder sollte man besser sagen Despoten?

Gleich wie auch immer, in jedem Fall hat Gerhard Schröder seinem Land, Deutschland, mit seiner immer so gerne zur Schau gestellten Nähe und Freundschaft zu einem angeblichen Demokraten Putin einen glatten Bärendienst erwiesen.

Wie immer auch Grüße an alle anderen hier auf meiner Insel. Eine Insel, die leider immer noch eine Insel vor der Adventszeit ist. Erst übermorgen, nämlich dann, wenn der Nikolaus kommt, dann gehen endlich auch bei uns alle offiziellen Adventslichter an.

Herzliche Grüße von der Insel Mallorca

Ihr Marlon
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