Kopfschuss
Wenn es nach dem Willen des Bildungsministeriums der Balearen in Palma de Mallorca geht, dann zeichnet sich der Baleare von morgen durch rationales Denken einerseits und excellente Sprachkenntnisse, vor allem des Mallorquin, andererseits aus.
Es war wohl wieder einmal Zeit für einen weiteren Schildbürgerstreich, denkt sich der Kolumnist der Insel Mallorca in diesen Tagen, wenn er sich die balearische Bildungspolitik anschaut, kopfschüttelnd und einmal mehr mit mit grossem Entsetzen, angesichts der neuen Possen, die gerade jetzt die Runde machen.
Man gedenkt die Fächer Kunst und Musik ganz abzuschaffen, an den Schulen hier auf Mallorca und den anderen Baleareninseln. Und wer von meinen Lesern nun glaubt, dass es sich um einen verfrühten Aprilscherz handelt oder um die posttraumatischen Ergüsse einer Ministerriege als Folge einer mehrtägigen Drogenparty, weit gefehlt. So ist das nicht, im Gegenteil, dies alles ist bierernst gemeint.
Bitterer Ernst wäre wohl die bessere Bezeichnung, denn, wenn man etwas Derartiges vernimmt, dann hat wirklich jeglicher Spass ein Ende. Nicht einmal der Hauch einer Freude kommt auf, wenn man sich die Planungen und Beschlüsse dieses doch so wichtigen Ministeriums anschaut.
Ob man sich in diesem Amt der grossen Verantwortung und Konsequenzen bewusst ist, frage ich mich, und gebe mir die Antwort auf diese Frage sogleich selbst, diese jüngsten Pläne, in meinen Augen ungeheuerliche Pläne, diese scheinen eher das Gegenteil zu untermauern.
Wie kann man allen Ernstes und ausgerechnet die wenigen Fächer eliminieren wollen, die in erster Linie für die kreative Entwicklung des heranwachsenden menschlichen Geistes verantwortlich sind. Wie soll der Mensch von Morgen in den Augen dieser Technolkraten denn eigentlich ausschauen, welche Charaktereigenschaften soll er haben.
Bewegen wir uns hier ein Stück weiter in eine hochtechnologisierte Zukunft, in der wir Menschen nur noch roboterartig das machen, was man uns eintrichtert oder gar befiehlt, möglichst frei von tiefgreifenden Gefühlen, Emotionen und vor allem von eigenen Ideen?
Längst klar müsste doch jedem Bildungsbeauftragten unserer Zeit sein, dass es nicht unbedingt darauf ankommt, was man genau lernt, sondern wie man es lernt. Daraus folgt jedoch nicht, dass man beliebige Fächer vollständig vom Lehrplan streicht, sondern dass ein Bildungsplan zum Inhalt haben muss dem jungen, noch zu formenden menschliche Gehirn in einem möglichst breiten Spektrum Anreize zu geben.
Dann erst kann es sich nämlich wirklich frei entfalten und vor allem seine wahren Stärken ausloten, um dann seinem Besitzer einmal in ferner Zukunft zu befähigen in einem Gemeinwesen von morgen auch wirklich die Rolle zu spielen, die von Geburt an in ihm steckt.
Noch mehr Sprachunterricht, welch Graus, die Rückblende in meine eigene Jugend löst ungläubiges und gänsehautauslösendes Kopfschütteln aus. Die Sprachen, die ich heute beherrsche, diese habe ich ausnahmlos in der Praxis gelernt, trotz Oberschule und Universität. Dort nämlich lernt man, neben zahlreichen Lerninhalten vor allem Eines, nämlich das eigene Gehirn zu gebrauchen.
Alles Andere und Wichtige, nennen wir es doch einmal Kompetenzen, diese Kompetenzen eignet man sich zum weitaus grössten Teil erst nach einer Ausbildung an, genauer, im Laufe eines langen Lebens. Ein Leben, welches mit kreativen Fähigkeiten in der Regel sehr viel erfüllter ist, als ohne.
Meinen ersten Gruss richte ich denn auch heute direkt in dieses Bildungsministerium, hier in Palma. Etwas mehr Kreativiät täte euch wahrlich gut, aber diese war ja noch nie ein elementares Bürokratengut.
Meine Grüße nach Deutschland, sie gehen an die Verantwortlichen der Politik, die sich wie so oft auch jetzt wieder einmal für ihre EU-Politik feiern lassen. Der neue EU-Vertrag ist da, das Leiden der Menschen in Deutschland dürfte weiter gehen. Euer angeblicher Aufschwung, der keiner ist, und von dem ihr selbst nun sagt, er käme gar nicht an. Das EU-Opfer in Deutschland, Frankreich, Italien und anderswo, das war und ist nunmal der kleine Mann.
Wie immer auch meine Grüße an alle anderen hier auf meiner Insel. Eine Insel der Einfallslosigkeit, wenn es nach dem Willen des balearischen Bildungsministeriums ginge.
Herzliche Grüße von der Insel Mallorca
Ihr Marlon
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