Quo vadis - Tourismus
Der Blick zurück, hier auf Mallorca, er ist ganz und gar nicht im Zorn nach hinten gerichtet. Sorgenvoll, wäre die passendere Terminologie, denn Vieles von dem, was auf unserer schönen Baleareninsel im vergangenen Jahr geschehen ist, das war schlicht und einfach schlecht für uns, schlecht für die Insel Mallorca.
Das Problem, Metro in Palma, darüber sprachen wir am gestrigen Tag. Lassen wir unsere U-Bahn jetzt erst einmal wieder ruhen, sie wird in diesen Tagen ohnehin wieder eins, zwei Meter unter Wasser stehen.
Es schüttet aus Eimern, nicht permanent, aber für das Tunnelsystem dieser Metro ist das abermal genug. Genug, um erneut abzusaufen. Diese Metro wird uns auch noch das ganze Jahr 2008 über beschäftigen, da muss ein Kolumnist auf Mallorca beileibe kein Prophet sein.
Wenden wir uns einem weiteren, etwas weniger spektakulären, jedoch wesentlich bedeutenderen Thema zu. Der Tourismus auf den Balearen und auf Mallorca, treffender, die Tourismusindustrie, sie hat im zurückliegenden Jahr einen herben Dämpfer erlitten.
Zwar steht die Tourismusbranche mit ihren Sorgen nicht alleine da, aber sie ist der Motor allen Schaffens und Wirkens, ja, im Grunde fast allen Lebens auf den Baleareninseln. Mit Fischen ist kein Blumenstrauss mehr zu gewinnen, und die Industrie, die nicht vom Tourismus abhängig ist, sie ist kaum eine Erwähnung wert.
Real hat es im vergangenen Jahr einen erheblichen Tourismusrückgang gegeben. Wie gross der Rückgang genau war, tja, das wüsste jeder hier gerne, aber diese Zahlen gibt es offiziell einfach nicht. Sie sind politisch nicht opportun, das ist das Schlimme, man hat sich über viele Jahre längst daran gewönt, dass aus dem Tourismusministerium in Palma fleissig Nebelbomben geworfen werden.
Wohlduftende natürlich, denn es soll ja positive Stimmung verbreitet werden, wenn es irgend geht. Es geht um die eigene Kompetenz und Zukunft, um Pöstchen in Ämtern und Politik, wie auch in Verbänden, weshalb sich die mallorquinischen Hotelverbände ebenfalls an dieser Form der Informationspolitik beteiligen.
Jedoch, wie sagte doch einmal Otto Rehagel, dieser gleichermassen sympathische wie erfolgreiche Fussballtrainer. Dieser prägte vor vielen Jahren den immer wieder gerne zitierten Satz, die Wahrheit liegt auf dem Platz. Ein grosses Wort eines Praktikers, und genau das scheinen die Verbands- und Amtsoberen bei uns auf den Balearen nur zu gerne zu verdrängen.
Wer mit den Hoteliers, den Fincabesitzern und vor allem mit den Vermietern von Ferienwohnungen sowie Privatunterkünften auf Mallorca spricht, der erfährt ganz genau, wie es um den Mallorca-Tourismus wirklich steht. Nämlich alles andere als gut.
Hunderte, wenn nicht gar tausende Betriebe haben grosse Sorgen, es fehlten schlicht und einfach die Gäste. Vor allem die, die Geld ausgeben. Wer das ganze Jahr über auf Mallorca lebt, wer die Inselorte regelmässig besucht, wer mit den Menschen hier vor Ort spricht, der hat schnell den nötigen Überblick, der weiss, wie die Urlaubssaison verläuft.
Und selbst der Feriengast konnte die zumeist gähnende Leere in viel zu vielen Restaurants beobachten. Genauso in vielen Läden, die ebenfalls vom Tourismus abhängig sind.
Da nutzen die skurillsten Statistiken nichts, insbesondere wenn von Amts wegen massiv gegen Schwarzvermieterei vorgegangen wird, und damit klar ist, dass plötzlich sämtliche Vergleiche zu den Vorjahren nicht mehr stimmen können.
Mal ganz abgesehen davon, dass zahllose Kleinexistenzen nur in einer Schattenwirtschaft existieren konnten. Aber dies ist ein ganz spezielles Thema, nicht nur in Spanien, sondern in vielen Ländern Südeuopas.
Das, was sich ändern muss in den Regierungsbehörden in Palma, insbesondere im Tourismusministerium, das ist die Informationspolitik. Sie muss endlich transparenter werden, es muss mit sauberen und vor allem nachvollziehbaren Zahlen operiert werden.
Augenwischerei nach amerikanischem Vorbild, frei nach dem Motto, der Bürger glaubt, was er in der Zeitung liest, im Internet, oder was ihm der Nachrichtensprecher im Fernsehen erzählt. Diese Augenwischerei hat mittlerweile Europa längst erobert.
Und hier lernen es die Kleinen von den Grossen. Was anscheinend in erster Linie zählt ist die Öffentlichkeitsarbeit, die oben zitierte Wahrheit auf dem Platz, nun, wer kann diese denn überhaupt so stichhaltig überprüfen.
Drüben bei Ihnen in Deutschland kennt man dies seit einem Bundeskanzler mit Namen Gerhard Schröder. Diese Art der Politik ist alles andere als gut, sie ist nicht zum Vorteil der Menschen, weder drüben bei Ihnen, in Deutschland, noch hier bei uns, auf Mallorca.
Mein ersten Grüße gehen daher heute an die politisch Verantwortlichen, hüben wie drüben. Es sitzt sich wohltuend und schön in den gut dotierten Sesseln der Politik, was man durchaus nachempfinden kann. Gerade auch deshalb täte heute eine Rückbesinnung auf hehre Werte mehr als Not.
Meine Grüße nach Deutschland, sie stossen in das gleiche Horn. Die Rückbesinnung auf einige Werte der deutschen Nachkriegsgeneration, der Wirtschaftswundergeneration, diese Rückbesinnung sollte schleunigst zur Diskussion stehen.
Wie immer meine Grüße auch an alle anderen hier auf meiner Insel. Eine Insel, wie immer am Anfang eines jeden Jahres, in gebannter Erwartung der neuen Tourismussaison.
Herzliche Grüße von der Insel Mallorca
Ihr Marlon
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