Urlauber mit Kneifzange

Marlon über das Urlaubsjahr 2008 auf MallorcaMachen Sie Urlaub auf der Insel Mallorca, so lautet der inständige Wunsch tausender Hoteleliers, Ferienwohnungs und Privatvermieter auch im Jahr 2008.

Nun ist dies zwar nichts Ungewöhnliches und Neues, sprich alle Jahre wieder das gleiche Lied, die gleichen Gedanken und Hoffnungen, aber heuer erwarten alle hier auf Mallorca ein äusserst problematisches Jahr.

Laut darüber reden, besser nicht, will man doch niemanden verschrecken. Es ist eben bei allem immer auch eine gehörige Portion Psychologie dabei.

Und genau die, die Psychologie, die soll angeblich auch der Grund dafür sein, wenn die kommende Urlaubssaison gar nicht gut, oder gar sehr schlecht werden sollte, meinen zumindestens die grossen Hotelketten der Balearen und insbesondere auf Mallorca.

Wie die Mallorca-Redaktion am gestrigen Tage berichtet hatte, äussern sich die grossen Hotelketten im Vorfeld der spanischen Tourismusmesse Fitur, die am heutigen Mittwoch in Madrid beginnt, skeptisch über das, was dieses Jahr auf sie zukommen werde.

Sie befürchten Schlimmes, und haben auch bereits einen Schuldigen dafür auserkoren. Die Börsenkrise nämlich, sie soll der Bösewicht sein, weil sie grossen Einfluss auf die Urlaubsbuchungen haben könne.

Ein Kolumnist auf Mallorca fragt sich, wie so oft in den letzten Jahren, wieso wir Menschen immer wieder dazu neigen das berühmt-berüchtigte Pferd von hinten aufzuzäumen. Wahrscheinlich muss das eine menschliche Schwäche sein, oder ist es gar der begrenzte Horizont einiger Weniger, die da ihre kümmerlichen Weisheiten in ein eiligst gezücktes Mikrophon zum Besten geben dürfen?

Wenn man das doch einmal so richtig genau wüsste, oder ist es gar doch eiskalte Strategie der internationalen Beteiligungsgesellschaften, der Hedge Fonds, im Bewusstsein über die tatsächlichen Gründe, deren Nennung alles andere als opportun empfunden wird, weil man sich damit in hohem Masse auch selbst in Frage stellen würde.

Richtig ist, dass die grossen Hotelketten auch im vergangenen Jahr alles andere als eine zufriedenstellende Buchungssaison erlebt haben. In vielen Gesprächen mit Hotelangestellten an der Playa de Plama, in Alcudia oder auch in anderen Inselorten hat man bereits ab dem Frühjahr des letzten Jahres die grosse Ernüchterung spüren können. Und auch die Sorge vor der Zukunft.

Die Beschäftigten in der balearischen Tourismusbranche zählen natürlich wieder einmal zu den Verlierern der allgemeinen Tourismusentwicklung. Nicht nur, dass sie mit kargen Löhnen abgespeist werden und schlechte sowie lange Arbeitszeiten haben, sie leben auch noch permanent mit der Angst um den Verlust ihres Arbeitsplatzes an einen, der aus der Not heraus bereit ist für noch weniger Lohn zu arbeiten.

Auf Mallorca wird dieser Umstand in ganz besonderer Weise offensichtlich, ist doch unsere schöne Insel seit Jahren einem Einwandererstrom sondersgleichen ausgesetzt. Es kamen und kommen immer mehr billige, nein Billigstarbeitskräfte, aus allen Herren Ländern.

Aus Südamerika kommen sie zum Beispiel in grosser Zahl. Dies ist politisch so gewollt, und würde alleine schon genügen, die Arbeitslöhne in der wichtigsten aller Branchen auf Mallorca, der Tourismusbranche, gehörig unter Druck zu setzen.

Dann sind da natürlich diejenigen, die nur für zwei Euro die Stunde oder sogar noch weniger abeiten, weil sie daher kommen, wo die Menschen einfach nicht einmal genügend zu essen oder zu trinken haben.

Wie viele von diesen armen Menschen werden eben genau nur durch die Gewährung dieser Grundbedürfnisse entlohnt, wäre eine interessante Fragestellung, sklavereiähnliche Abhängigkeitsverhältnisse sollen hier auf Mallorca bereits aufgedeckt worden sein.

Und als ob dies alles nicht schon genügen würde, haben die Politiker in ganz Europa für die Erweiterung der EU Richtung Osten gestimmt, und auch die spanische Politik unterstützte und unterstützt auch heute noch diesen Kurs.

Von den Löhnen in Osteuropa haben wir alle gehört, im Zusammenhang mit Nokia. Zweihundertfünzig Euro Monatslohn, na da lacht doch das Herz aller Unternehmer im alten EU-Europa, auch hier in Spanien, auch hier auf den Balearen, und ganz besonders bei uns auf Mallorca.

Die grossen internationalen Hotelketten, sie wollten den globalen Markt. Nun haben sie ihn. Offene Grenzen, Wegfall der Zölle, Personenfreizügigkeit, freier Wettbewerb, und den hat man natürlich auch zwischen allen Lohnabhängigen, europaweit wohlgemerkt.

Und genau da wollte man auch ganz bewusst hin, wer heute noch glaubt, dass diese Entwicklung so nicht gewollt war, oder gar versehentlich eingetreten ist, der scheint die Hose wahrlich mit der Kneifzange anzuziehen.

Die Mächtigen unserer Welt, hier in Europa, das sind die, die die schlimmste aller irdischen Waffen kontrollieren. Diese Waffe heisst bekanntermassen Geld. Und diese Waffe setzen sie mit jeder neuen Marktöffnung gnadenlos ein. Mit den Folgen, die man nun allerorten sieht.

Beschlossen hat dies allerdings die Politik, und warum diese Politik so etwas beschliesst, na, verehrte Leserinnen und Leser, nun lassen Sie doch Ihrer Fantasie einmal so richtig schön freien Lauf. Zum Glück sind unser aller Gedanken ja noch frei, wer weiss wie lange noch.

Meine ersten Grüße gehen heute einmal an alle meine Leserinnen und Leser. Dummheit als Ursache? Nein, oder vielleicht nur bei einem Teil der politischen Entscheider. Beqemlichkeit, gar Faulheit? Wiederum ein vielleicht, oder zum Teil. Ist es das, was man Lobbyismus nennt, und was nach dem Willen der Politiker gar nicht so sehr breitgetreten werden sollte? Vielleicht denken wir alle einmal intensiv über alle denkbaren Ursachen nach.

Meine Grüße hinüber nach Deutschland, sie gelten auch heute wieder der Politik, die massgeblich an dem Lohndumping in ihrem Land, aber auch hier in Spanien und Mallorca die Verantwortung trägt.

Wenn man unseren deutschen Urlaubsgästen den Arbeitsplatz wegnimmt, oder fast genauso schlimm, sie die gleiche Arbeit für die Hälfte des Geldes und mit deutlich weniger Sozialleistungen erledigen lässt, der nimmt unserem Urlaubsgast genau das, was er nunmal braucht, um einen schönen Mallorca-Urlaub zu erleben.

Immer mehr Menschen haben nichts mehr in ihren Taschen, immer mehr leiden Not, und wer bitte soll dann diesen deutschen Urlaubsgast bei uns ersetzen? Der Rumäne? Der Bulgare? Der Slowake? Der Tscheche? Oder gar der Pole? Eure Politik wäre eigentlich zum Totlachen, wenn sie nur nicht so traurige Auswirkungen gerade auch hier bei uns auf Mallorca hätte.

Wie immer meine Grüße auch an alle anderen hier auf meiner Insel. Eine Insel, auf der die Verantwortlichen im Tourismusministerium tatsächlich glauben, sie könnten durch Werbekampagnen in Polen den Verlust der angestammten Urlaubsgäste aus Deutschland oder England ausgleichen.

In zwanzig bis dreissig Jahren vielleicht, aber auch nur vielleicht. Heute, im Jahr 2008, und in den nächsten Jahren jedoch ganz sicher nicht. Zu dieser Schlussfolgerung könnten die Verantwortlichen für den Balearentourismus eigentlich selbst kommen.

Sie bräuchten sich dazu nur einmal die Stundenlöhne in Osteuropa vor Augen führen, und diesen Löhnen die Preise für einen Urlaub auf Mallorca gegenüberstellen.

Herzliche Grüße von der Insel Mallorca

Ihr Marlon

Weitere Artikel in der Rubrik Marlons Gedanken:
  • Viva España

    Prophet hätte er werden sollen, der Kolumnist der Insel Mallorca. Da würden wahrscheinlich stattliche Zusatzeinnahmen winken. Aber, Geld ist nunmal nicht alles und auf ...

  • Viele Köpfe und eine Mauer

    Spanien hat gewählt, und alles ist beim alten geblieben. Man hat es im Prinzip vorher gewusst, und als erstes Resumee könnte man durchaus auch konstatieren, hätte ...

  • Ich wandere aus

    Es ist dies ein nachvollziehbarer Wunsch einer wachsenden Schar von Deutschen, ihrer Heimat den Rücken zu kehren, um dann in einem anderen Land ein neues, schöneres Leb...

  • Wes Brot ich ess'

    Das ist die Form von Journalismus, die im Zeitalter des Internet immer mehr Einzug erhalten hat, leider auch hier auf unserer Insel Mallorca. Sie wird von Insidern wie auch viel...

  • Die Jagd hat begonnen

    Mallorca ächzt unter einer beispiellosen Welle von Preiserhöhungen, so wie ganz Spanien auch. Aber, dies ist kein isoliert zu betrachtendes spanisches Problem, die Urs...

  • Wollt mich verschaukeln

    Die Stimmung auf Mallorca ist angespannt. Zumindest bei denjenigen, die ihren Lebensunterhalt mit der Arbeit eines Normalsterblichen und den daraus hier üblicherweise gezah...

  • Eine Million Euro

    Eine Million Euro, wer von Ihnen, verehrte Leser hätte sie nicht gerne. Egal ob hier auf Mallorca oder anderswo, Monat für Monat dieses nette Sümmchen, das wä...

  • Francecs Antich - ein erstes Resümee

    Nun ist die neue Balearenregierung in Palma de Mallorca bereits seit vier Monaten in Amt und Würden, die weithin übliche, wenn auch unverbindliche Einhundert-Tage-Scho...

  • Gegensätze auf Mallorca

    Das gute Publikum hatten die alten Inselregenten für Mallorca erhofft und erwünscht, wenn man ihren Aussagen denn überhaupt Glauben schenken mochte. Golfplatz &uu...

  • Francisca und der alte Muff

    Es gibt nun bald etwas mehr Transparenz und damit auch ein klein wenig mehr Demokratie auf Mallorca. Der Rat, der neben der Balearenregierung über wesentliche Geschicke unser...

  • Bananenflanke

    Da hat der Mallorca Kolumnist mit seiner Einschätzung einmal mehr richtig gelegen, könnte er nun ganz unbescheiden und selbstbewusst notieren. Macht er aber nicht. O...

  • Biester

    Das muss ja ein schlimmes Erlebnis für die alte Dame gewesen sein, dieser Tage in der Haupstadt der Balearen und der Insel Mallorca. Mitten in Palmas Fußgänger...

  • Europa-Hocker

    Mit einem abschätzenden und wenig hoffnungsvollen Blick in den Himmel beginne ich wie immer meinen Tag, hier auf Mallorca. Ein Blick der nichts Gutes verheißen lä&...

  • Mallorca Osterträume

    Das Osterfest hat begonnen. Und unsere Insel, Mallorca, begrüßt seine Feriengäste mit dem Wetter, daß sie an Ostern nicht nur erwartet, sondern auch verdient...

  • Alle Jahre wieder

    Wie sich die Welt doch gleichen kann. Ob Deutschland, Mallorca oder anderswo, es gibt Dinge im Leben, da ist dann überall das Gleiche gleich. Nun ist man es schon so viele ...

  • Die Sau muss durchs Dorf

    Die nächste Sau wird durchs Dorf getrieben. Diesmal triffts Raucher. Gnadenlos. Sage ich als Nichtraucher. Getrieben und gehetzt von Menschen, die einmal von Freiheit redete...

Diesen Artikel bookmarken:

Mr. WongWebnewsIcioOneviewLinkarenaFavoritenSeekxlKledy.deSocial Bookmarking ToolBoniTrustBookmarks.ccFavitNewskickNewsiderLinksiloReadsterFolkdYiggDiggDel.icio.usRedditJumptagsSimpyNetscapeFurlYahooSpurlGoogleBlinklistBlogmarksDiigoTechnoratiNewsvineBlinkbitsMa.GnoliaSmarking
© 2005-2008 power-labels.com - Intelligente Internet Lösungen