Mallorca
Mallorca Forum
Mallorca Immobilien
Mallorca Suche

Armes Europa, armes Mallorca

Marlon über die Armut auf MallorcaArmut ist auf der Insel Mallorca nicht nur irgendein ein Thema. Die Armut ist hier auf Mallorca vielmehr allgegenwärtig. Nahezu überall.

Wer diese Armut übersieht, der will sie nicht sehen, verdrängt den traurigen Anblick, bewusst oder unbewusst. Ein weiterer Grund dafür kann natürlich auch die Oberflächlichkeit sein, mit der das Leben unserer Zeit bewältigt, oder besser, erlebt wird.

Ein grosser Teil der Mallorquiner, der Inselbewohner, ist arm. Sie leben unter Bedingungen angesichts derer wir alle uns im Grunde schämen müssten. Vielleicht ist gerade auch die Scham einer der Gründe, weshalb man dies all zu gerne übersieht.

Mit Armut und Elend ist nicht nur das grosse Slum in Palma gemeint. Son Banya, so lautet der Name dieses grossen Elendsviertels auf der Insel Mallorca, aber wer von den Millionen Touristen weiss davon, geschweige denn bekommt dieses Elendsviertel jemals zu Gesicht.

Noch schlimmer ist die Tatsache, dass in nahezu allen Inselorten eine grosse Zahl von Menschen ihr Dasein als grosses Elend erleben. Sie sind Verlierer der Politik, vor allem der europäischen Politik. Sie werden wohl niemals die Chance erhalten ein menschenwürdiges Leben zu führen.

Genauso wie bei Ihnen in Deutschland, verehrte Leserinnen und Leser, stürzen hier auf Mallorca, so wie im übrigen Spanien auch, Tag für Tag immer mehr Menschen der sogenannten Mittelschicht in diese Armut ab. Schuldlos sind sie, kämpfen verzweifelt dagegen an und können diesen Absturz doch nicht verhindern. Sie können dann letztendlich nicht einmal mehr ihre grundlegenden Lebensbedürfnisse befriedigen.

Szenenwechsel. Die Politik in Deutschland ist der Hauptschuldige an dem wachsenden Elend in den europäischen Ländern Italien, Spanien, Frankreich, England und Deutschland selbst. Sie haben das unglückselige Rad der jüngsten europäischen Geschichte bewusst in Bewegung gesetzt, und seitdem gedeihen überall vermehrt Angst und Schrecken.

Die schlimmen politischen Entscheidungen hin zu einer Globalisierung und EU-Osterweiterung haben den Menschen in Westeuropa letztendlich das Rückrat gebrochen, ihnen ihre Lebensgrundlage entzogen.

Man könnte diese Entscheidungen natürlich auch wieder zurücknehmen, bevor sich, beginnend in Italien, wie man sieht, ein Flächenbrand in Bewegung setzt, der dann irgendwann einmal nicht mehr zu stoppen sein wird. Aber man tut dies nicht, sondern verharrt in Starrsinn und Selbstgefälligkeit.

Am Beispiel Italien kann man sehen was uns allen bald blühen kann, wenn wir nicht endlich die Notbremse ziehen. Das schöne Italien ist bereits vom Elend zerfressen und dieses Elend nährt neues faschistisches Gedankengut.

Ein Kolumnist der Insel Mallorca beobachtet das Treiben in diesem ehemals so wherrlichen Land seit vielen Monaten. Der Rechtsruck dort kann nur als äusserst dramatisch und gefährlich bezeichnet werden. Gewalt greift um sich, im Alltag. Gewalt als Folge grossen sozialen Elends. Die Menschen rufen wieder nach einer starken Hand, man erinnert sich wieder an den Duce. Gott bewahre, sage ich da nur.

Aber die wahren Schuldigen sitzen in den jeweiligen europäischen Hauptstädten, vor allem in der deutschen Politik, und dort natürlich in erster Linie in Berlin. Dort könnte eine grosse Koalition leicht die Hebel herumreissen. Die politischen Instrumente dazu hätte sie, aber sie tut es nicht.

Und was sich vor der europäischen Realität gerade jetzt in der Bundeshauptstadt abspielt macht selbst mich sprachlos. Diese Masslosigkeit, diese Chupze. Die selbe Politik, die viele Millionen Menschen in die Armut gestürzt hat, bedient sich einmal mehr ungeniert am Steuergroschen des von ihr selbst gebeutelten Bürgers.

Der Präsident des Bundes der Steuerzahler, Karl-Heinz Däke, kommentiert diese Pläne denn auch zu recht als schlichte Unverschämtheit. Um 16,4 Prozent werden die Bezüge der Bundestagsabgeordneten innerhalb von nur zwei Jahren angehoben. Man stelle sich nur einmal vor, was das bedeutet. Der weitaus grösste Teil der Menschen in Deutschland erlebt dagegen, teilwiese sogar dramatische,  Einkommensverluste. Selbst einige Politikvertreter sprechen von Raffgier und Gefrässigkeit.

Eine Diskussion am gestrigen Abend, genau zu diesem Thema, in einer Bar bei mir in Portixol, sie verlief fast schon tumultartig, obwohl sich alle Anwesenden nahezu einig gewesen sind. Die Schuldigen an dem Elend auf Mallorca, in Spanien und anderswo in Europa, diese Schuldigen sind längst erkannt. Sie sitzen in bequemen Politikersesseln, und machen Politik vermehrt nach Lobbyistenart.

Und genau dieser Politik, genauer, ihren Vertretern gelten heute meine Grüße. Die Ausbeutung breiter Gesellschaftsschichten durch eine kleine Minderheit, getragen von euch, einer Politik, die dabei selbst nicht zu kurz kommt. Dies darf es in einer demokratischen Grundordnung nicht geben.

Und vor dem Hintergrund der geschichtlichen Ereignisse in der ersten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts seid vor allem ihr Politikvertreter dringend dazu aufgerufen jetzt und heute verstärkt auf die wahre Bedeutung des Begriffes Demokratie und Menschenwürde zu achten.

Wie immer meine Grüße auch an alle anderen hier auf meiner Insel. Eine Insel Mallorca, der eine ganz, ganz harte Tourismussaison 2008 bevorsteht. Der Katzenjammer ist an allen Ecken und Enden der Baleareninsel zu hören. Aber zum Glück werden die wahren Verantwortlichen für das wachsende Elend auch auf Mallorca zunehmend richtig erkannt.

Herzliche Grüße von der Insel Mallorca

Ihr Marlon

Weitere Artikel in der Rubrik Marlons Gedanken:
  • Niedertracht

    Wo bitte gibt es die Bananen in dieser Republik. Diese oder ähnliche Fragestellungen sind äusserst unangenehm, vor allem wenn sie einem Liebhaber und intensiven Beoba...

  • Hinter Gittern

    Ein weiteres Gerichtsurteil bei Ihnen, verehrte Leserinnen und Leser in Deutschland, lässt in diesen Stunden aufhorchen. Nein, eigentlich mehr noch, die Schwingungen de...

  • Ad absurdum

    Der Immobilienmarkt 2008 auf Mallorca, er liegt am Boden, und diese Tatsache wird sich auch so langsam überall herumgesprochen haben. Obwohl bereits gut die Hälfte al...

  • Wes Brot ich ess'

    Das ist die Form von Journalismus, die im Zeitalter des Internet immer mehr Einzug erhalten hat, leider auch hier auf unserer Insel Mallorca. Sie wird von Insidern wie auch viel...

  • Das Synonym

    Die Insel Mallorca versinkt im Wasser. So könnten die Schlagzeilen der Herbstwochen anno 2007 lauten. Ein kluger Mann, ein alter Mann, er sagte am gestrigen Abend in einer ...

  • Armut auf Mallorca und anderswo

    Die Armut in der Welt, und da insbesondere auf dem schwarzen Kontinent, in weiten Teilen Asiens, drüben in Amerika, sie ist uns allen seit Jahrzehnten wohl bekannt. Alleine, ...

  • Eine Million Euro

    Eine Million Euro, wer von Ihnen, verehrte Leser hätte sie nicht gerne. Egal ob hier auf Mallorca oder anderswo, Monat für Monat dieses nette Sümmchen, das wä...

  • Nationalistisches Gedankengut

    Europa ist wieder einmal im Gespräch. Allerorten sozusagen, jedoch nicht hier auf unserer schönen Insel Mallorca. Zumindest nicht, wenn es um die europäische Integr...

  • Na denn Prost!

    Man nimmt es nicht so genau mit der Sauberkeit auf der Insel Mallorca. Nun mag dies zwar kein Geheimnis sein, denn die Insel scheint zuweilen übersät mit Müll, man ...

  • Nachhaltigkeit

    Das Linksbündnis in Palma de Mallorca steht, die Balearenregierung der kommenden vier Jahre hat einen sozialistischen Chef. Die Spatzen auf allen Inseldächern pfeifen ...

  • Apokalypse

    Die Quallenplage ist es, die Mallorca auch dieses Jahr wieder beschäftigt. Diesmal soll es wohl besonders hart und schlimm kommen. Bereits jetzt gibt es Strände, an dene...

  • Schlaraffenland

    Nun ist es also doch so, wie sich dies so einige hier auf der Insel Mallorca im Stillen dachten, als vor wenigen Tagen die Meldung über diesen brutalen Überfall auf ein ...

  • Dankes Lohn

    Das Fass droht so langsam aber sicher in einer Weise über zu laufen, wie es weder der neutrale Beobachter, noch der Inselkenner für möglich gehalten hätte. ...

  • Stoßgebet

    Nun wird es ja doch nichts, mit dem Weinfest in Pollenca, hier auf Mallorca. Dies denke ich mir, während mich das monotone, gnadenlose Daniederprasseln des immer noch anhalte...

  • Die Demokratie-Frage

    Ausgerechnet ein Mann jenseits des eisernen Vorgangs, beinahe hätte ich gesagt aus dem Jenseits des ehemals eisernen Vorgangs, musste die jahrezehntelangen Demokratien daran...

  • Mallorca - der Bauboom und die Menschen

    Welch ein Kontrast. Aus dem trübsinnigen Wetter Deutschlands kommend, mit entsprechender Stimmung versteht sich, lande ich bei 20 Grad morgens um kurz nach 9 auf dem Flughaf...



© 2007 power-labels.com