Armutszeugnis

Marlon auf Mallorca über die Armut auf Mallorca und den BalearenDas sind schon Zahlen, da bleibt einem Kolumnisten auf Mallorca schier die Spucke weg. Und, es würde mich doch einmal ganz ernsthaft interessieren, wie meine Leser darüber denken.

Worum geht's, nun, es geht leider, wie zu oft in der letzten Zeit, um nichts Gutes. Der Armutsbericht anno 2007, veröffentlicht vom Zentrum für Wirtschaftsforschung, höchst trauriger Anlass dafür ist der Internationale Tag für die Beseitigung der Armut, am Mittwoch, dem siebzehnten Oktober.

Der Bericht ist ein Armutszeugnis für die Politik, und da insbesondere für die Politik der westlichen Demokratien, denn dieser Bericht würde bis auf wenigen Ausnahmen in den allermeisten anderen genannten Staaten ähnlich erschreckend ausfallen.

Auf den Balearen, und damit auch hier auf Mallorca, knapp siebzehn Prozent aller Menschen leben unter der Armutsgrenze. Und, noch dazu, diese Grenze an sich ist schon ärmlich und jämmerlich genug, für einen Ein-Personen-Haushalt gerade einmal gut sechshundert, und für eine Familie mit zwei Erwachsenen und zwei Kindern etwa eintausend Euro.

Die Armutsgrenze in der gesamten Europäischen Union, sie ist eine offizielle Messgrösse, etwas abstrakt auf dem ersten Blick, letztendlich aber doch verständlich. Das sogenannte Äquivalenzeinkommens in jedem Mitgliedstaat, auf der Basis der Gesamtbevölkerung eben jenes Staates, es berücksichtigt die Grösse und die Zusammensetzung der Haushalte, und von diesem Äquivalenzeinkommen dann sechzig Prozent.

Und wenn Sie weniger als sechzig Prozent dieses Äquivalenzeinkommens im Monat zur Verfügung haben, dann zählen Sie als arm. Siebzehn Prozent, dies bedeutet, jeder Sechste, der Ihnen, verehrte Leser, hier auf Mallorca begegnet, der ist ein armer Tropf. Landesweit ist dies bereits jeder Fünfte.

Kinderreiche Familien, Alleinerziehende, und ebenso schrecklich, alte Menschen, sie sind vor allem arm. Noch dazu ist eine Kinderarmut vorhanden, sie tritt vor allem in Familienhaushalten auf, die von der Arbeitslosigkeit betroffen sind.

Vielleicht erinnern sie sich einmal an diese Zahlen, wenn sie wieder einmal hier auf Mallorca, sonst auf einer der Baleareninseln oder auch in Spanien Ihren Urlaub verbringen. Wer sich dann die oben genannten Zahlen vor Augen führt, dem müssten in stiller Demut nochmals die Tränen kommen, denn dies alles kann man mit Fug und Recht als einen mittleren Wohlstandsskandal bezeichnen.

Erschütternd an dem Situationsbericht, die Zahl der Armen ist wahrscheinlich noch viel, viel höher. Nicht berücksichtigt in diesen offiziellen Statistiken wird nämlich die tatsächliche Lebenssituation, Kredite und Verbindlichkeiten bleiben genauso aussen vor wie z. B. eine eventuelle Suchtproblematik.

Beides führt dazu, dass die Zahl der Armen mindestens doppelt so hoch ist, wenn nicht noch höher. Das ganze ist ein Skandal, massgeblich verursacht von der Politikergeneration der sogenannten 68-er, ich wiederhole mich da immer wieder.

Egoismus, fehlender Gemeinsinn, Familienfeindlichkeit, das Umwälzen fast aller Strukturen einer Gesellschaft, die Abschaffung hehrer Werte, eine Verhaltensethik, die vielerorten kaum noch als solche bezeichnet werden kann, das Aushöhlen der Autorität der Eltern und Lehrer, Minderheitenpolitik statt eine für die breiten Gesellschaftsschichten. Und diese Aufzählung könnte noch viel, viel länger werden.

Mein erster Gruss geht daher auch an die gut dotierten intellektuellen Gesellschaftsumwälzer eben jener genannten Generation, sitzend in ihren Elfenbeintürmen, fern jeglicher Selbstkritik. Ihr habt es für euch gepackt, das liegt auf der Hand, es ist auch nicht zu übersehen.

Der Marsch durch die Institutionen, er hat euch selbst den Wohlstand gebracht, wie man weiss. Vielen Millionen anderen jedoch alleine nur die bittere Armut und der mit ihr verbundene Schmerz.

Mein Gruß hinüber nach Deutschland geht auch dort an dieselben, an die Linke, genauso wie alle anderen, auch an die Bundesregierung, allen voran Bundeskanzlerin Angela Merkel. Statt Kriege im Irak und Afghanistan zu führen, statt das eigene Volk per Verfassungsänderung auszuspionieren, statt euch und die Menschen im Land permanent mit unsinnigen Klima- und Umweltdiskussionen zu beschäftigen, solltet ihr euch alle gemeinsam zunächst einmal um das direkte Wohl dieser Menschen kümmern.

Wie immer auch Grüße an alle anderen hier auf meiner Insel, einer Insel der dramatischen sozialen Ungerechtigkeiten,


Herzliche Grüße von der Insel Mallorca

Ihr Marlon

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