5-Sterne-Insel

Marlon über 5-Sterne Luxushotels auf MallorcaVerbringen Sie Ihren Urlaub in einem Luxushotel auf der Insel Mallorca. So und nicht anders lautet die Losung der Zukunft, zumindest, wenn es nach dem Willen der Verantwortlichen für den Balearentourismus geht.

Die Diskussion, möglichst viele Luxushotels auf Mallorca, oder besser nicht, sie wird schon seit Längerem geführt. Und dies nicht nur hier auf der Insel, sondern auch in den Ländern, aus denen sich die meisten Mallorca-Urlauber rekrutieren.

Es geht dabei natürlich um strategische Fragen, was ist langfristig gut für Mallorca, was können die Ressourcen unserer schönen Insel überhaupt verkraften. Und, die nach Auswertung aller Analysen entscheidende Frage, welches touristische Konzept bringt langfristig Prosperität, sprich ein möglichst gutes Wohlergehen für Mallorca.

Und genau an dieser Stelle scheiden sich die Geister. Diese Diskussion erneut anheizen dürfte die Eröffnung eines neuen 5-Sterne-Hotels auf der deutschen liebsten Baleareninsel.

Das Hilton Sa Torre Mallorca in Llucmajor ist das 26. Fünf-Sterne-Hotel auf Mallorca, und es ist ein Luxushotel per excellence. Das neue 5-Sterne-Hotel wird in wenigen Wochen eröffnet, und wenn es nach dem Willen des balearischen Tourismusminister Francesc Buils geht, dann sollen es noch viel mehr Luxushotels werden.

Laut Francecs Buils wurden im vergangenen Jahr etwa 1800 zusätzliche Betten in Luxushotels auf Mallorca geschaffen, und er ist der Meinung es könnte in Zukunft in diesem Stil weitergehen.

Diesen Eindruck jedenfalls verbreitete der gute Mann unlängst auf der spanischen Tourismusmesse Fitur, wie auch auf allen anderen internationalen Tourismusmessen, die er gewohnheitsmässig abklappert.

Er meint Mallorca hätte anderen Orten gegenüber einen grossen Wettbewerbsvorteil, weil unsere touristischen Möglichkeiten besser seien als anderswo, und ausserdem das Klima das ganze Jahr über für einen Urlaub prädestiniert sei.

Ob unser Tourismusminister Francesc Buils neben den vielen touristischen Veranstaltungen auch noch andere Reiseländer besucht, fragt sich derenthalben ein Kolumnist auf Mallorca. Und die unmittelbar zweite Frage, die sich mir aufdrängt, betrachtet sich denn Francecs Buils auf diesen vielen Tourismusmessen auch einmal das Angebot der Wettbewerber aus anderen Urlaubsgebieten. Denn diese schlafen ja nicht, im Gegenteil.

Mallorca hat das Luxussegment nicht neu erfunden, der anspruchsvolle Gast ist da in anderen Ländern weit Besseres gewohnt. Nicht umsonst kann man bei den Unterkünften südeuropäischer Länder im direkten Vergleich mit Anderen getrost einen Stern abziehen, wenn gleich die Standards neuerer Luxusressorts auf Mallorca deutlich verbessert wurden.

Die Frage ob Wachstumsmarkt oder nicht, sie ist eng verknüpft mit vielen anderen Aspekten der künftigen Entwicklung der Insel Mallorca. Mit dem Zustrom an Einwanderern zum Beispiel, und daran anschliessend, weil elementar damit verbunden, mit der Zunahme der Kriminalität.

Wie sieht es mit der sozialen Sicherheit aus, oder müssen wir uns in Zukunft Mallorca vielleicht als eine Insel vorstellen, auf der irgendwann einmal einhundert oder mehr hermetisch abgeriegelte 5-Sterne-Hotel Luxusressorts mit allerlei Wellness- und Spa-Einrichtungen, Golfplätzen, Poloplätzen, und vieles mehr zu finden sind, und drumherum dann ein bis zwei Millionen arme Tröpfe, die sich für Stundenlöhne in der Größenordnung von 3 bis 5 Euro netto verdingen?

Wie sieht es mit der Wasserversorgung für alle Malloquiner aus, wenn ein Luxusressort alleine bereits die Wassermenge eines mittelgrossen mallorquinischen Dorfes verbraucht. Wird diese wichtigste aller Lebensressourcen dann bald knapp werden für diejenigen, die eben nicht in diesen Tempeln des Wohlstandes leben?

Fragen, über Fragen, leicht liessen sich ein Dutzend weitere an dieser Stelle auflisten. Ich meine, die Entwicklung hin zu einem Mallorca für Luxusurlauber birgt erhebliche Risiken, die vor dem Hintergrund flächendeckender Verarmungstendenzen gerade in den Ländern, aus denen die Mallorca-Touristen bis dato kommen nicht zu unterschätzen sind.

Ein sehr wichtiges Kundenklientel in einem 5-Sterne-Hotel ist der gehobene Mittelstand, und genau dieser bricht in den Zeiten der Globalisierung in geradezu dramatischer Weise weg.

Dazu kommt, das ein Mallorca-Urlaub im Juli und August alles andere als erholsam ist, wenn man an die teils unerträglichen Temperaturen, zahlreiche mit Fäkalien verunreinigte Strände und die zunehmenden Quallenplagen denkt.

Zieht man dann noch zwei Monate an Regentagen ab, dann verbleiben nur noch 8 Monate, an denen man einen schönen Mallorca-Urlaub erleben kann. Über die vielseitigen touristischen Möglichkeiten will ich jetzt gar nicht einmal reden, denn auch hier fehlt mir die rosarote Brille, durch die vielleicht unser derzeitiger Tourismusminister die mallorquinische Zukunft sieht.

Und unserem Tourismusminister in Palma, Francesc Bruil, widme ich folgerichtig auch meinen ersten Gruss am heutigen Tag. Guter Mann, bei allem was Du entscheidest und tust, denke immer daran, dass wir alle hier auf Mallorca noch lange leben müssen, während Du vielleicht, bestens von unseren Steuergeldern versorgt, irgendwo an einem Strand in der Ferne liegst.

In einer Urlaubsregion mit genügend klarem und sauberem Wasser, mit genügenden natürlichen Ressourcen, mit deutlich weniger sozialen Brennpunkten. Eine Ferienregion, die, immer auf dem Teppich der Vernunft bleibend, seit langem mit äusserster Sorgfalt und Bedacht ihre touristische Zukunft geplant hat.

Meine Grüße nach Deutschland, sie gehen auch heute wieder an eine Deutsche Bundesregierung, die nach Auffassung nicht weniger, in voller Fahrt hin zu einem riesigen grenzenlosen Europa, hin zu einer globalsierten Welt, ein weiteres elementares Bürgerinteresse mit den Füssen tritt.

Es geht um unsere Lebensmittel, um etwas Grundsätzliches. Es geht um gentechnisch veränderte Lebensmittel, um das höchst umstrittene neue Gentechnikgesetz. Dies wurde jetzt trotz erheblicher Bedenken endgültig durchgepeitscht.

Die Folgen für Sie, verehrte Leserinnen und Leser, sie sind heute noch lange nicht abzusehen, aber man muss mit dem Schlimmsten rechnen. Es geht um Ihre Lebensmittel von morgen, z. B. Ihre Milch und Butter, Ihre Eier, Ihr Käse, Ihre Wurst und Ihr Fleisch.

All das und noch vielmehr wird gemäss dem neuen Gesetz auch dann als gentechnikfrei gekennzeichnet, wenn Futtermittel Zusätze enthalten, die durch gentechnische Verfahren hergestellt wurden. Ein weiterer Skandal, fürwahr. Ich wünsche uns allen schon jetzt guten Appetit.

Wie immer meine Grüße auch an alle anderen hier auf meiner Insel. Eine Insel, die heute noch keine Luxusinsel ist.

Herzliche Grüße von der Insel Mallorca

Ihr Marlon

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