Wie alles anfing........
Wie alles anfing…………..Als letzt geborene von 5 Schwestern fehlte meinen Eltern einfach die Lust sich neue Namen auszudenken und so wurde ich nach meiner Mutter Sarah genannt!
Um auszugleichen, dass meine Namensgebung einem „kreativen Loch“ entsprang, machte der liebe Gott aus mir einen jener überschäumend fantasievollen jungen Menschen, die ständig neues suchen statt ihre Kreativität sinnvoll zu kanalisieren und einzusetzen.
So kam ich vor 25 Jahren nach Mallorca und fand hier erstmalig jede Menge Seelenverwandte.
Die Insel, die Leute, die Stimmung erschienen mir so wunderbar, dass ich damals beschloss eines Tages für immer zurückzukehren.
Das war leichter gedacht als getan, denn es vergingen zunächst 13 ereignisreiche Jahre: Das wichtigste war die Geburt meiner Tochter Theresa. Wegen ihr war ich kurz verheiratet um mich zu entschließen sie doch lieber alleine groß zu ziehen. Ich erlebte in jeder Hinsicht Höhen und Tiefen, baute ein großes Hotel auf, hatte ein Malatelier. Aber noch viel wichtiger: ich lernte meine große irische Liebe Sean kennen.
Ich könnte Bücher darüber schreiben was in der Zeit alles passierte aber kommen wir lieber zur Sache ehe ich mich in alten Geschichten vergesse.
Mallorca war immer noch in meinem Kopf und auch Sean wäre durchaus bereit gewesen sich auf dieses Abenteuer einzulassen, wenn nur Theresa auch gewollt hätte.
Es war der Juli 1996. Ich betrieben in der Zeit in Mönchengladbach eine Tapasbar mit angeschlossenem Rockcafè. Sean hatte eine Baufirma.
Theresa war 12 Jahre alt und verabschiedete sich in Ihren Sommerurlaub nach England: „Mama , ich glaub es wäre gar nicht so schlecht doch nach Mallorca zu gehen!“
Das war der Startschuss! Jetzt musste ich mir nur noch Gedanken darüber machen, wovon wir dort leben könnten!
So fielen mir nach und nach all die Leute wieder ein, die ich damals vor Jahrenden auf der Insel kennen gelernt hatte.
Die meisten von ihnen waren Lebenskünstler geblieben!
Als aber Peter an meinem inneren Auge vorbeilief dachte ich:“ Halt, der könnte mir helfen, wenn ich nur wüsste wo er wohnt und wie er heißt! Ob der wohl immer noch mit dem Architekten Baum regelmäßig wie vor 20 Jahren in die „Bar Cala“ zu Antonia und Llorenc nach Cala Figuera geht! Wäre super wenn jemand der nach Mallorca fährt mal dort nachfragt!“
Peter war bekannt wegen seines sagenhaften Reichtums und seiner Immobilienkäufe auf der Insel. Sicher hatte er auch ein paar gastronomische Objekte unter seinen Besitztümern.
Im Laufe der Jahre hatte er immer mal wieder mallorquinische Freunde nach mir befragt und so konnte ich eine reale Hoffnung hegen, dass er sich an mich erinnerte.
Am gleichen Abend nahte die Lösung in Form meiner Freundin Ilka: „ Ich fahre übermorgen nach Mallorca, nach Colonia San Jordi ! Kann ich Dir was mitbringen?“
Ilka ist nicht nur eine Superfrau, sie ist auch schlagfertig und hat „Biss“, wie man im Rheinland sagt!
„ Tu mir den Gefallen und komm unbedingt morgen noch einmal vorbei!
Ich habe da eine total verrückte Idee……,“ und ich legte Ilka auseinander, auf welchem Weg ich plante eine Existenz auf Mallorca zu gründen!
In der gleichen Nacht noch schrieb ich die folgenden zwei Briefe:
Brief 1
Lieber Peter,
ich hoffe Du lebst noch und erfreust Dich guter Gesundheit., denn Du wirst noch gebraucht!
Ich bin hier im regnerischen Mönchengladbach und alles läuft eigentlich ganz gut! Da ich aber einsehen musste, dass ich auch hier keine Millionärin werde möchte ich lieber sofort nach Mallorca ziehen.
Meine sehr nette und intelligente Tochter Theresa ist auch einverstanden!
Mir ist zu Ohren gekommen, dass Du auch ein paar gastronomische Objekte hast?!
Sicher mangelt es Dir an versierten und zuverlässigen Fachkräften!
Ich bin ab sofort zu haben!
Leider kenne ich Deinen Nachnamen nicht und weiß auch nicht wo Du wohnst.
Daher lasse ich diesen Brief dem Architekten Baum für Dich aushändigen, zu dem Du wie ich hoffe noch Kontakt hast!
Ich würde mich freuen bald von Dir zu hören
Sarah
Adresse
Telnr.
Fax:
Sicherheitshalber erwähnte ich meinen Lebensgefährten nicht in diesem Brief, denn man weiß ja nie….
Brief 2
Lieber Architekt Baum,
leider ist mir Dein Vorname total entfallen. Ich hoffe dennoch, Du erinnerst Dich an mich, bin die große, blonde rheinische Seglerin aus Mönchengladbach, die Sarah!
Ich möchte Dich um folgenden Gefallen bitten: ich habe mich entschlossen nach Mallorca zu ziehen. Nun hoffe ich, dass Peter aus Cala Dor mir bei einer Existenzgründung helfen kann.
Da mir aber weder seine mallorquinische Adresse, noch sein ständiger Wohnsitz geschweige denn sein Nachname bekannt sind, ist es mir unmöglich ihm den im inwendigen Kuvert enthaltenen Brief persönlich zuzuschicken.
Sofern Du noch Kontakt zu ihm hast, überreiche ihm bitte das Schreiben dringend, denn wenn es klappt müsste meine Tochter zum nächsten Monat auf Mallorca eingeschult werden!
Vielen, vielen Dank
Sarah
Adresse:
Telnr.:
Fax:
Meine Schreiben übergab ich Ilka in einem Umschlag, den sie voller Enthusiasmus in Empfang nahm!
Als Sie losfuhr wusste ich:“ Wenn einer Erfolg bei der Briefübergabe hätte, dann mit Sicherheit Ilka!“
Wenn man wartet wird eine Minute zur Ewigkeit, ein Tag zur Unendlichkeit.
Ich schalt mich selbst ob meiner hirnrissigen Idee und schlimmer noch ob der Hoffnung die ich an meine Briefe knüpfte. So war ich erschöpft, mut- und hoffnungslos als nach 2 Tagen ein Fax eintraf:
Liebe Sarah,
natürlich erinnere ich mich an Dich, wer nicht?!
Ich habe Deinen Brief direkt an Peter weitergefaxt. Er hat da ein Angebot für Dich und wird Dich heute noch anrufen!
Liebe Grüße und hoffentlich auf bald
Dein FELIX Baum
Haben Sie auch schon einmal Angst vor Ihrer eigenen Courage gehabt?
Ich ja!
Als nach einer Stunde das Telefon klingelte zitterte ich so, dass ich kaum abnehmen konnte: „Dyck hier“, hauchte ich mit letzter Kraft in den Hörer
“ Hallo Sarah, hier spricht Peter! Ich habe da ein Angebot für Dich! Am besten buchst Du Dir gleich für morgen einen Flug, schaust Dir das Objekt in Porto Colom mal an und übernachtest dort gleich! Bis morgen! “
Der Stein rollte und ich konnte ihn nicht mehr aufhalten!
Zum Angst haben fehlte mir ab sofort die Zeit1
Ich konnte gerade noch ein paar Klamotten in den Koffer werfen und los ging die Reise nach Porto Colom.
Das so genannte „Objekt“, ein kleines Hotel mit Restaurant in erster Linie war zauberhaft!“ But nothing is perfect“: Der Anblick des älteren Herrn, der mich auf mein Appartement geleitete und den ich seines Outfits wegen als Koch identifizierte verschlug mir glatt den Atem.
Seine Stachelbeerbeine steckten in kurzen Shorts, über seinem Bauch wölbte sich die Schürze deren Originalfarbe von Flecken unkenntlich gemacht war, seine
Fingernägel hatten Ränder wie die eines Automechanikers während der Arbeit, rasiert hatte
er sich mindestens 4 Tage nicht und sein Körperduft ließ darauf schließen, dass er ebenso lange nicht geduscht hatte!
Am Mittag hatte ich das entscheidende Gespräch mit Peter, diesem Menschen den ich vor vielen vielen Jahren kurz kennen gelernt hatte, den ich ja eigentlich gar nicht kannte.
Peter stand sehr unter Zeitdruck, da ihm seine junge Frau eine Gesprächsfrist von 15 Minuten mit mir gegeben hatte.
Also blieb nicht viel Zeit für Freundlichkeiten und Peter kam fast sofort zum Punkt:
„ Erstaunlich, Du hast Dich kaum verändert! Schön, dass Du es so schnell einrichten konntest! Leider habe ich nicht viel Zeit, also lass uns sofort zum Punkt kommen!
Würdest Du Dir zutrauen das Objekt in dem Du übernachtest in eigener Regie zu übernehmen?“
„ Sicher kann ich mir das vorstellen!“
Und jetzt kam die am meisten gefürchtete Frage:
„Apropos sicher! Was wärest Du denn bereit als Sicherheit zu hinterlegen?“
Nun kann man einem nackten Mann (Frau) bekanntermaßen nicht in die Tasche greifen und so erwiderte ich unverfroren: „ Du hast doch mich als Garantie! Was willst Du mehr!“
Küsschen rechts, Küsschen links und die Audienz war beendet.
Wo nichts ist kann man nichts holen, insofern hatte ich die einzig mögliche Antwort gegeben
ohne direkt zuzugeben dass ich gar keine Sicherheiten hätte bieten können.
Dennoch dachte ich noch eine Weile darüber nach!
Bis zum 8.08. erkundete ich dann die Gegend und ertrank mit alten Freunden in Wiedersehensfreude, was mir einen schönen Kater für den Rückweg bescherte.
Zurück in Mönchengladbach konnte ich weder Sean noch den neugierigen Freunden viel erzählen, denn ich hatte 0 Idee wie mein Mallorcamärchen weitergehen sollte!
Es hieß nun wieder warten!
Bis heute verstehe ich nicht, warum man sagt: „Geduld ist eine Tugend!“
Lediglich der Wille etwas zu bekommen oder ein Ziel zu erreichen bringt einen dazu geduldig zu sein. Und was bitte ist daran tugendsam?
Autor: Hobbyredakteurin Ruth Dieck
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