Mallorca für Anfänger
Mallorca für Anfänger
Wenn man sich in den Kopf setzt, keine Gestoria zu bezahlen, bleibt einem nichts anderes übrig als sich um alles selber zu kümmern. Da hätten wir als erstes mal die Beantragung des Telefons, Personenanmeldung, die Autoummeldung, die Kontoeröffnung, Beantragung der NIE usw. Es ist eine nicht enden wollende Liste der Notwendigkeiten. Aber man hat sich ja bestens informiert bevor man nach Mallorca auswandert, Bücher gelesen, Zeitungen gekauft und bis zum Erbrechen im Internet recherchiert. Also frisch ans Werk. So schwer kann das ja nicht sein. Sprach’s und machte sich auf den Weg in die Innenstadt von Palma. Mittlerweile haben wir gelernt, dass man hier überall Nummern ziehen muss. Es ist wirklich schlimmer als in Deutschland, aber weichen wir nicht vom Thema ab.
Der erste Weg führt zur Deutschen Bank. Klingt ja erstmal recht vertraut und es scheint auch so, da wir hier in Deutsch bedient werden. Unter Vorlage des Personalausweises können wir ein Konto eröffnen. Somit wäre das Erste schon mal erledigt. Nun also weiter zur Telefonica. Schließlich geht ja ohne Internet heute gar nichts mehr. Hier wird es dann mit Deutsch auch schon schwierig aber mit einer Mischung aus Spanisch und Englisch können wir unser Anliegen verständlich machen. Die Antworten allerdings gefallen uns gar nicht so gut. Die Einrichtung des Anschlusses kann zwischen 3 Tagen und 3 Wochen dauern. Na das klappt ja hervorragend. Hört sich an als müssten wir in den nächsten Wochen wie die Touris in einem Internetcafe unsere Mails bearbeiten. Tolle Aussichten. Und dann kommen wir zum Preis der uns dann wirklich von den Socken haut. Um dieselbe Internetleistung wie in Deutschland zu bekommen, müssten wir fast das Doppelte bezahlen. Wir entscheiden uns spontan für die etwas kleinere Rate. Hauptsache überhaupt Internet. Freundlich lächelnd drückte uns ein netter Mallorquiner die Auftragsbestätigung in die Hand und wünschte uns noch einen schönen Tag. Ich wage daran zu zweifeln wenn alles andere auch so ausgeht. Aber probieren geht über studieren und wie begeben uns in einen Vodafone-Shop. Schließlich brauchen wir auch noch ein spanisches Handy, da unser deutsches Handy uns wirklich sehr schnell arm macht. Wie nicht anders zu erwarten hieß es hier mal wieder, erstmal bitte eine Nummer ziehen. Nach dem Vergleich mit der digitalen Anzeige überlegten wir uns, ob wir nicht mal eben zu McDonalds gehen um eine Kleinigkeit zu essen, entschieden uns aber dann dagegen in der Hoffnung, dass auch die Spanier eine normale Arbeitsgeschwindigkeit an den Tag legen. Man kann ja Träume haben… Irgendwann rief eine freundliche Stimme die Nummer, die deutlich sichtbar auch unserem Zettel stand. Wie von einer Tarantel gestochen sprangen wir auf und machten uns bemerkbar. Nicht das die Leute denken, wir wären gegangen. Auch hier versuchten wir mit Englisch und Spanisch einen Überblick über das Angebot zu bekommen und nach den besten Alternativen für uns zu schauen. Wir entschieden uns erstmal für eine Prepaid-Karte. Schließlich wussten wir ja noch nicht, wie lange wir bleiben würden. Nach Zahlung der Kartengebühr hielten wir nun unsere Telefonkarte in der Hand. Natürlich ohne ein dazugehöriges Handy aber immerhin sind wir jetzt schon rein theoretisch unter einer spanischen Mobilrufnummer erreichbar. Und wieder zuhause, dürfte sich irgendwo noch ein funktionierendes Handy finden um die nächste Zeit zu überbrücken.
Mit einem Zwischenstop im Cappuccino um eine kleine Stärkung für großes Geld zu sich zunehmen, ging es mit dem Anmeldemarathon weiter. Personenanmeldung war angesagt. Immerhin wollten wir ja auch hier arbeiten also musste alles seine Ordnung haben. Gesagt, getan. Von einem Freund mit den gröbsten Infos versorgt, machten wir uns mit zig Kopien von diversen Dokumenten zur Fuß auf den Weg in die Altstadt. Hier angekommen mussten wir, wie sollte es auch anders sein, erstmal eine Nummer ziehen. Diese und ein Blick in den Warteraum versprachen nichts Gutes. Wir entschlossen uns kurzfristig, eine Erfrischung im Bistro gegenüber zu nehmen und dann wieder an den Ort des Geschehens zurückzukehren. Wieder dort angekommen mussten wir feststellen, dass wir durchaus auch Zeit für ein Mehrgang-Menue gehabt hätten. Nun gut, was soll’s, wir werden es überleben. Irgendwann erschien dann endlich unsere Nummer auf der Anzeigentafel. Fast schon im Laufschritt begaben wir uns zum angegebenen Schalter wo eine freundliche lächelnde Dame uns erwartete. Mit unseren bis dato eingeprägten Spanischkenntnissen versuchten wir ihr klarzumachen, dass wir nun hier leben. Mit einem Nicken nahm sie unsere Unterlagen, fragte auch nach den Gott sei Dank vorhandenen Kopien und machte sich frisch ans Werk alle Angaben in ihren PC zu tickern. Nach ein paar Unterschriften und dem Erhalt unserer Originaldokumente freuten wir uns, dass wir nun endlich unsere Bestätigung bekämen. Nur leider hatten wir nicht mit der mallorquinischen Bürokratie gerechnet. Immer noch freundlich lächelnd erklärte uns die gute Frau, dass wir die Bestätigung, unter Zahlung von einer Bearbeitungsgebühr von 1,70 EUR pro Person, im Nebengebäude abholen könnten. Scheinbar kannte sie schon die entsetzten Gesichter der Ausländer, denn sie sagte uns sofort, dass es dort nicht so lange dauern würde da nur noch die Ausgabe erfolgte. Es blieb uns ja nichts Anderes übrig als zu tun was uns gesagt wurde. Brav trotteten wir nun also in das Nebengebäude um auch hier wieder eine Nummer zu ziehen und wieder mit dem Gedanken zu spielen, vielleicht noch eine Cola vorweg zunehmen. Diesmal entschieden wir uns jedoch dagegen und nahmen im Warteraum platz. Als unsere Nummer erschien, begaben wir uns auf den Weg zur Ausgabe. Dort angekommen, nahmen wir auf den beiden Stühlen Platz. Als unsere Sachbearbeiterin kam, schauten wir wahrscheinlich genauso schockiert wie etwa 1 Stunde zuvor in dem Büro nebenan. Die Dame, die uns nun bediente war keine Andere als vor etwa 1 Stunde an dem anderen Platz. Ungläubig schauten wir uns an und konnten uns ein Grinsen nicht verkneifen. Wurde hier Bäumchen wechsle dich gespielt oder war das die Arbeitsplatzrotation nach der Mittagspause? So spontan fiel uns leider kein passabler Grund dazu ein. Ihr blieb unser Entsetzen vorhin wohl nicht verborgen aber sie sah einfach darüber hinweg und bearbeitete unser Anliegen zügig und mit bekannter Freundlichkeit. Wir waren scheinbar auch hier nicht die Ersten, die die mallorquinische Bürokratie nicht verstanden. Mit unseren Unterlagen in der Hand und immer noch leicht irritiert, machten wir uns auf den Weg nach draußen. Wir sahen uns an und waren beide einstimmig der Meinung, jetzt hatten wir uns wirklich ein Getränk verdient. Diesmal jedoch keine Cola sondern ein Glas Wein. Wir stießen an und beschlossen, sämtliche noch kommenden Anmeldungen sogenannten Profis zu überlassen. Von denen gab es hier wirklich eine Menge und ein paar von ihnen kannten wir mittlerweile auch. Bevor wir also graue Haare bekommen, sollen ruhig ein paar nette Menschen ein wenig Geld an uns verdienen – gut, ein wenig war jetzt untertrieben – aber wenn es uns dabei hilft, uns auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren wie z.B. Geld verdienen…
Piroska Hildebrandt
Palma, Dezember 2007
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