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Abenteuer Flohmarkt

Erstellt: 2009-01-05 14:15:57

Abenteuer Flohmarkt
Der lange Weg zum hart verdienten Kleingeld


Freitagabend – es ist dunkel, kalt und wir sind im Nirgendwo auf einem Parkplatz und stehen mit einem Plastikbecher Rotwein an einer brennenden Tonne… Hört sich an wie eine Szene aus einem amerikanischen Krimi, ist aber Realität – wir befinden uns in Magaluf auf dem Parkplatz vor dem Flohmarkt. Was sich hier abspielt ist keine Kulisse sondern das wirkliche Leben. Wer am Samstag einen Platz auf dem Flohmarkt in Magaluf haben möchte, muss schon sehr früh da sein.

Erich, einer unserer besten Freunde hier auf der Insel, ist soweit es seine Zeit erlaubt, relativ regelmäßig auf dem Flohmarkt. Nachdem wir nach unserem Umzug einen Haufen an unnützem Zeug übrig hatten (wir haben es tatsächlich jahrelang nicht bemerkt ;-) bot er uns an, ihn zu begleiten und unsere Sachen an seinem Stand mit anzubieten. So brauchten wir keinen eigenen Stand und konnten von Erich’s Erfahrung profitieren. Gesagt, getan. Kurzerhand wurde 2 Tage vorher nochmals die Wohnung auf den Kopf gestellt um ja nichts Unbrauchbares zu vergessen. Das Ergebnis waren 5 Umzugskartons, die den Wohnungsflur blockierten, aber was tut man nicht alles für ein kleines Abenteuer ;-)

Irgendwann am Freitagabend rief Erich uns an und fragte ob wir nicht Lust hätten noch mal kurz an die Luft zu gehen. Da diese Frage nur äußerst selten von ihm gestellt wird, waren wir sofort hellwach. Tatsächlich gab es einen guten Grund für den Anruf – er war schon seit 14:00 Uhr, mit einer kurzen Unterbrechung zum Duschen, in seinem Auto auf dem Parkplatz vor dem Flohmarkt. Ungläubig hörte ich seine Worte aber ich konnte sie nicht wirklich glauben – Erich stand seit etwa 8 Stunden in einer Schlange wartender Autos (er war um 14:00 Uhr nur das 4. Auto) um morgen Früh seine Sachen auf dem Flohmarkt anzubieten. Wenn ich es nicht besser wüsste, hätte ich gesagt, es gibt etwas umsonst aber selbst der Stellplatz kostet noch Geld. Was also um Himmels Willen geht dort vor?

Etwa 2 Stunden später konnten wir uns dann selbst davon überzeugen. Wie von Erich gewünscht, fuhren wir mit Kaminholz, einer heißen Pizza, einer Flasche Rotwein, Süßigkeiten, einem Buch und Plastikbechern bewaffnet zum Flohmarkt. Dort angekommen bot sich uns ein Bild wie aus einem Film - eine lange Schlange Autos auf der einen Seite, eine brennende Tonne mit ein paar Männern drum herum auf der Anderen - Vollmond und Nebel taten ihr Übriges um diese Kulisse perfekt zu machen. Als ich aus dem Auto stieg und Erich mit einer Umarmung begrüßte, musste ich erstmal lauthals lachen – Ich hatte im Telefonat aus Spaß gesagt, dass ich ihn schon mit Wein in einem Plastikbecher vor einer brennenden Tonne stehen sehe. Erich allerdings fand die Idee mit dem Feuer richtig genial und setzte sie einfach kurzerhand in die Praxis um.

Mit einem Plastikbecher Rotwein ausgestattet, stand ich nun da und konnte es einfach nicht glauben – etwa 40 Autos standen hintereinander und warteten auf den Samstagmorgen. Bei etwa 5Grad kein wirkliches Vergnügen. Ich fühlte mich ein wenig in die Kindheit versetzt – es gab doch wohl nicht Bananen ;-) Nein im Ernst, die Situation war einfach irreal. Mir froren schon nach etwa 30 Minuten die Gesichtszüge ein und Erich musste es noch ganze 8 Stunden aushalten. Gegen 7:00 Uhr beginnt nämlich erst der Einlass. Diese Nachtaktion garantiert einem allerdings noch keinen Stellplatz. Wenn man Pech hat, sind die Plätze belegt und man darf wieder nach Hause fahren. Für mich ein unvorstellbarer Gedanke – etwa 16 Stunden mit Warten zu verbringen. Jetzt konnte ich die Männer verstehen, die um die brennende Tonne standen und einen Schluck Wein oder Tee tranken – es war nicht anders auszuhalten. Ich bewunderte Erich und hatte fast schon ein schlechtes Gewissen als wir uns wieder verabschiedeten um nach Hause ins Warme zu fahren. Die Vorstellung, dass er die nächsten Stunden im kalten Auto schlafen musste, ließ mich frösteln. Wir versprachen ihm, um 7:00 Uhr mit warmen Kaffee wieder dort zu sein und uns in das Abenteuer zu stürzen…

Fazit: Der Flohmarkt in Magaluf ist wirklich zu empfehlen und zum Stöbern ist es auch durchaus ausreichend, gegen 9:00 Uhr dort zu sein. Wer sich allerdings den Übernachtungsmarathon antun möchte, der sollte sich warm anziehen.
Palma, 18.12.2008



Verfasser:

Piroska Hildebrandt






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